Vorschau

OPEN CALL bis 14.10.: AKADEMIE Performing Arts Producer #3

Im Januar 2020 beginnt die dritte Ausgabe des Weiterbildungsangebotes der Bündnishäuser für das Produzieren in den Performing Arts. Der Bewerbungsschluss ist der 14. Oktober 2019. Hier geht es zum OPEN CALL.


ab 27.9.: #1000TATEN @Kampnagel

Die Spielzeit 2019/20 steht für Kampnagel unter dem Auftrag #1000TATEN und setzt einen Fokus auf die praktische Hinterfragung von Erinnerungskultur. Der meist sehr einseitige westliche Wissenskanon soll mit ästhetischen, aktivistischen und theoretischen Formaten immer wieder durchbrochen werden. Boris Charmatz setzte mit „10.000 Gesten“ den ersten Highlight der Spielzeit, die Choreografin Ursina Tossi betrachtete in ihrer Uraufführung „Witches“ zum Spielzeitstart (26.9.) die Figur der Hexe als feministische Kämpferin gegen patriarchale Strukturen. Als nächste Bündnis-Produktion ist „Carrion“ von Justin Shoulder vom 3. bis 5.10. zu sehen. Hier geht es zum ersten Programmheft der neuen Spielzeit.


8. + 9.10.: Marcelo Evelin/Demolition Incorporada, The Invention of Evilness @ Künstlerhaus Mousonturm

Wie kein anderer Choreograf seiner Generation versteht es Marcelo Evelin, die politischen und sozialen Spannungen unserer Zeit und ihre Resonanzen im Körper in Bewegung zu setzen. In der aktuellen MT-Koproduktion lassen nun sieben Tänzer*innen Arme, Beine, Rücken und unzählige Äste voller Wucht aufeinanderprallen, bis ein hämmernder Beat entsteht. Das Stück, für das Evelin einen kargen Bühnenraum entworfen hat, lässt sich als Metapher für die aktuelle Situation in seinem Heimatland Brasilien lesen, vor allem aber als ein ungezähmter Akt des künstlerischen Widerstands.


11. bis 13.10.: Claire Cunningham, Thank you very much @tanzhaus nrw

„Thank you very much“ ist ein Abend, der sich aus den Erfahrungen des Ensembles speist. Durch die Brille der Doubles nimmt das Ensemble in funkelnden Kostümen den Mythos des idealen Körpers auseinander. Mit dem für Claire Cunningham typischen Humor und ihrer Authentizität hinterfragt sie gesellschaftliche Auffassungen von Normalität. Claire Cunningham versteht ihre Kunst gleichzeitig auch als Aktivismus und hat aus ihrer spezifischen Körperlichkeit einen eigenen Tanzstil auf Krücken entwickelt. Claire Cunningham zählt neben Ligia Lewis und Choy Ka Fai zu den drei neuen Factory Artists am tanzhaus nrw.


13. bis 17.10.: Rimini Protokoll (Kaegi), Uncanny Valley @ Künstlerhaus Mousonturm

Kennen wir in der deutschen Industrie Roboter als effiziente und präzise Arbeitsmaschinen, werden in Asien längst humanoide Roboter entwickelt, die in der Alterspflege oder als Sexpartner eingesetzt werden. Das menschenähnliche Äußere erhöht ihre Akzeptanz zwar, weckt aber auch Misstrauen gegenüber diesen scheinbaren Zwitterwesen. Diesen Zwischenraum unheimlicher Ähnlichkeit nennen japanische Roboterforscher Uncanny Valley. So heißt auch Stefan Kaegis an den Münchner Kammerspielen mit Thomas Melle entwickeltes Stück, für das er ein animatronisches Double des Schriftstellers erstellen ließ, einen Humanoiden. Anstelle des Autors sitzt nun dieses Roboter-Double auf der Frankfurter Bühne und wirft Fragen auf über das Verhältnis von Kopie und Original und die Autorenschaft der Kommunikation.


15. bis 19.10.: Nicoleta Esinencu, Abolirea familiei / Die Abschaffung der Familie @HAU

Nach dem Untergang der Sowjetunion vor große ökonomische Herausforderungen gestellt und gleichzeitig zum traditionellen christlichen Gut stilisiert, haben familiäre Strukturen in der Republik Moldau besondere Bedeutung erlangt. Nicoleta Esinencu verknüpft diesen Umstand mit der Erfahrung des Verlusts ihrer Eltern und hinterfragt den Begriff “Familie” im 21. Jahrhundert. Auf der Bühne bilden Geschichtenerzähler*innen immer wieder einen Chor wie eine kollektive Stimme, die mit dem Mythos der monogamen Familie aufräumt und einen bösen Blick auf das Privateigentum wirft, um nicht nur das patriarchale System, sondern am Ende den Kapitalismus selbst zu verfluchen.


24.10. bis 2.11.: Festival „89/19 – Vorher/Nachher“ @Hellerau

30 Jahre nach der Friedlichen Revolution sind nicht nur Fragen der deutschen Wiedervereinigung und ihrer Folgen relevant, sondern auch Fragen der gesellschaftlichen (Vor-)Geschichte unterschiedlicher Gesellschaftssysteme. Mit dem Themenschwerpunkt „89/19 – Vorher/Nachher“ widmet sich HELLERAU künstlerisch Fragen der Vergangenheitsbewältigung, Gegenwartsanalyse und Zukunftsvisionen in gesellschaftlichen Zeiten der Transformation und des Umbruchs. Die künstlerischen Formate reichen von szenischen Konzerten, über Performances, dokumentarischen Stücken bis hin zu literarischen Adaptionen. Filme, Installationen und Gespräche bieten einen Rahmen, um das Erlebte auf der Bühne und im persönlichen Leben zu diskutieren.


26., 27., 29.10. + 3.11.: Ingo Toben, Meeting Strangers @ FFT

Smartphones sind ein Teil von uns, denn wir sind ein Teil von ihnen: Auf ihnen sind Fotos, Videos, Musik und Erinnerungen gespeichert. Sie sind unser Gedächtnis in der Hand. Durch Krieg und Flucht wächst ihre Bedeutung noch mehr: Handys bezeugen Ereignisse und erinnern an ein Leben, das es so nicht mehr gibt. In einem Labyrinth treffen Besucher*innen auf jugendliche Performer*innen. Sie haben vor Kurzem ihre Heimat verlassen und aus dem audiovisuellen Material ihrer Mobiltelefone Storytellings entwickelt. Ingo Toben entwickelt mit Kindern und Jugendlichen experimentelle Live-Formate am FFT Düsseldorf.


30.10. bis 3.11. 2019: Symposium IMPACT19 @PACT Zollverein

In der diesjährigen Ausgabe IMPACT19 – Weaving Traces sind mit der Kuratorin und Afrofuturistin Ingrid LaFleur, der Choreografin und Tänzerin Meg Stuart sowie den Theatermacher*innen Silke Huysmans und Hannes Dereere Positionen eingeladen, die in ihrer Arbeit aktivistische und investigative, spirituelle und körperliche sowie politische und technologische Praxen verknüpfen. Während das Workshop-Programm auf 30 Teilnehmer*innen begrenzt ist (Bewerbungsfrist war am 16. September), laden mehrere öffentliche Programmpunkte dazu ein, die Gastkünstler*innen und ihre Arbeit kennenzulernen: So stellt Ingrid LaFleur in einem Vortrag (31.10.) die Frage, welche Rolle die Partizipation an technologischem Fortschritt in der Selbstermächtigung schwarzer Menschen spielen kann. Anschließend an den Vortrag präsentieren Silke Huysmans und Hannes Dereere ihr Dokumentartheaterstück „Pleasant Island“ (31.10.), in dem die wechselvolle Geschichte der Insel Nauru beleuchtet wird.