Akademie für zeitgenössischen Theaterjournalismus

+++ Open Call für die Akademie #3 ist online +++Bewerbungsfrist verlängert bis zum 8. Mai 2022 +++

Die Akademie für zeitgenössischen Theaterjournalismus hat zum Ziel, das zunehmend prekäre Feld des Theaterjournalismus im deutschsprachigen Raum zu stärken in der Überzeugung, dass ein öffentlicher Diskurs über Theater, Tanz und Performance wichtig ist für Kunst und Gesellschaft.

Erstmals 2019/2020 vom Bündnis internationaler Produktionshäuser realisiert, widmet sich die Akademie vor allem drei Aspekten:

1) Sie schafft ein Netzwerk unter häufig solistisch agierenden Kulturjournalist:innen, seien es Redakteur:innen oder freie Autor:innen, aus Rundfunk, TV, Print- und Onlinejournalismus. Dieses Netzwerk umfasst mittlerweile über vierzig engagierte und kompetente Kolleg:innen vor allem in Deutschland und in Österreich, im ländlichen ebenso wie im urbanen Raum. Alle, die aktiv dabei sind, profitieren in hohem Maße von der Kompetenz, der Erfahrung und Neugier der anderen Teilnehmenden – in der Überzeugung, dass der krisengeschüttelte Kulturjournalismus Netzwerke wie diese heute dringender braucht denn je.

2) An drei langen Wochenenden bietet die Akademie Zeit und Raum, die eigene journalistische Praxis zu reflektieren und Formen der Berichterstattung über Theater jenseits von Deadlines und häufig eng gefassten medialen Formaten zu erproben. Welche Rolle spielen Theaterkritik und -journalismus heute im öffentlichen Diskurs? Wer erhält in diesem Diskurs überhaupt eine Stimme – und warum? Welche Ideen können für eine zeitgemäße, lustvolle, wendige Berichterstattung entwickelt werden? Die eingeladenen Expert:innen stellen, ebenso wie die Teilnehmenden, ihre Arbeitsweisen vor. Dieser Austausch ermöglicht eine tiefere Kenntnis des Feldes und eröffnet andere Perspektiven auf den eigenen journalistischen Alltag. Auch praktische Fragen wie Verdienstmöglichkeiten und die Zusammenarbeit mit Redaktionen sind Thema der Gespräche und Workshops.

3) Inspirierender und impulsgebender Anlass dieser Selbstreflexion, der Erprobung und Erweiterung der eigenen Mittel ist eine intensive Auseinandersetzung mit dem Bereich der zeitgenössischen Darstellenden Künste. Wie lassen sich diese heterogenen künstlerischen Arbeiten, wie lassen sich Audiowalks, Installationen, Performances und Tanzstücke in Sprache und Text übertragen? Ist hier das vorhandene kritische Werkzeug ausreichend, welche anderen Formen der Berichterstattung sind denkbar? Wie können Journalist:innen die zentralen künstlerischen und kritischen Impulse aufgreifen, die von zeitgenössischen Formen darstellender Kunst ausgehen?

Die gemeinsamen Reisen zu den verschiedenen Häusern eröffnen präzise Einblicke in die Arbeitsstrukturen der Freien Szene, in unterschiedliche Profile und Programme. Gespräche mit Künstler:innen, Kurator:innen und Theoretiker:innen schaffen Blicke in den Maschinenraum, und liefern höchst unterschiedliche Antworten auf die Fragen, wie dieses Theater entsteht und welche Rolle die jeweiligen Institutionen in ihrer Stadt spielen.

Nicht zuletzt spinnt die Akademie ein fortlaufendes Gespräch über Theater, Journalismus und Gesellschaft, das sich über drei lange Wochenenden erstreckt und intensiviert, das Perspektiven verschiebt und singuläre Akteur:innen in einen fruchtbaren Austausch bringt.

Entwickelt und durchgeführt wird die Akademie für zeitgenössischen Theaterjournalismus von Esther Boldt und von Dr. Philipp Schulte.

Esther Boldt ist Journalistin, Tanz- und Theaterkritikerin. Sie arbeitet u. a. für nachtkritik.de, Theater heute, taz, tanz Zeitschrift, ZEIT ONLINE und den Hessischen Rundfunk. Zudem ist sie in zahlreichen Jurys tätig.

Philipp Schulte ist Professor für Theatertheorie mit einem Fokus auf zeitgenössische Formen an der Norwegischen Theaterakademie sowie Geschäftsführer der Hessischen Theaterakademie in Frankfurt; er leitet Akademieprogramme im Rahmen der Ruhrtriennale, des Festivals Theaterformen sowie der KunstFestSpiele Herrenhausen. 
Beide haben Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen studiert.

Hier sprechen die Organisator:innen Esther Boldt und Philipp Schulte mit zwei Teilnehmer:innen der Akademi #1, der freien Autorin Theresa Luise Gindlstrasser und dem taz-Redakteur Jan-Paul Koopmann, über ihre Erfahrungen, Solidarität und die Zukunft der Kritik.

 

Akademie#1: Von November 2019 bis März 2020 fand die erste Ausgabe der Akademie für zeitgenössischen Theaterjournalismus statt. In Essen, Dresden und Hamburg haben sich 20 Kritiker:innen aus ganz Deutschland mit den Möglichkeiten und Anforderungen an einen Journalismus auseinandergesetzt, der den vielfältigen Produktionen und Produktionsweisen zeitgenössischer Theaterformen gerecht wird.

Akademie#2: Zum zweiten Mal bietet das Bündnis internationaler Produktionshäuser in 2021 ein Programm für Journalist*innen an, das sich als Weiterbildung im umfangreichen Feld der Berichterstattung über dezidiert experimentelle Praktiken in Theater und Tanz sowie zeitgenössische Performance Art versteht.

Akademie #3 der Open Call für die Akademie #3 ist hier zu finden.